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16.06.2017
Zur gestrigen Urteilsverkündung am Lübecker Landgericht. Kinderschutzbund betroffen über Einschätzung des Gerichts

Pressemitteilung des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Schleswig-Holstein e.V. vom 16.06.2017

KIEL. Gestern (15.06.2017) wurde am Lübecker Landgericht das Urteil in dem überaus erschütternden Fall von mehrfachem schwerem Kindesmissbrauch einer Zweijährigen verkündet. Der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein zeigt sich betroffen. Irene Johns, Vorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Schleswig-Holstein und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, erklärt: „Aufgrund der Medienberichterstattung geht der Kinderschutzbund davon aus, dass das Gericht die Folgen für ein in dieser Form schwer sexuell missbrauchtes kleines Kind möglicherweise unterschätzt. Dass dem Kind kein dauernder Schaden entstanden sei, weil es sich später nicht mehr erinnern könne, ist eine nicht nachvollziehbare Schlussfolgerung und verharmlost die Folgen des schweren sexuellen Missbrauchs für ein kleines Kind. Die Urteilsbegründung macht  deutlich, dass noch mehr Aufklärung über das Thema sexueller Missbrauch und seine Folgen für die kindlichen Opfer nötig ist. Der Kinderschutzbund fordert eine breite politische und gesellschaftliche Debatte, um Kinder noch besser vor sexuellem Missbrauch schützen zu können.“

Manuel Florian, Leiter des Kinderschutz-Zentrums Kiel und Diplom-Psychologe, erläutert zu Folgen eines frühkindlichen sexuellen Missbrauchs: „Ein schwerer und wiederholter sexueller Missbrauch stellt eine gravierende Traumatisierung dar mit massiven Folgen für das gesamte weitere Leben. Für ein kleines Kind zerstört eine derartige Erfahrung alle Grundfesten des Lebens, insbesondere wenn der Missbrauch durch den eigenen Vater erfolgt und die eigene Mutter nicht in der Lage ist, es zu schützen. Neben der Tatsache, dass das Kind zu Aktivitäten gezwungen wird, die es nicht versteht und nicht einordnen kann, wird das Vertrauen in die primären Bezugspersonen erschüttert oder zerstört. Die langfristigen Folgen einer solchen Schädigung zeigen sich in der mangelnden Fähigkeit, enge und besonders intime Beziehungen zu gestalten, es können massive Einschränkungen des Selbstwertgefühls, Angststörungen, Depressionen oder psychosomatische Erkrankungen resultieren, unabhängig von der Frage, ob die Erlebnisse dem Bewusstsein zugänglich oder gut verkapselt sind.“

Kontakt:

Deutscher Kinderschutzbund
Landesverband Schleswig-Holstein e.V.
Sophienblatt 85
24114 Kiel
www.kinderschutzbund-sh.de

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